Holm möchte selbstbestimmt sterben – nicht seinem Ende entgegen vegetieren. Vom gefassten Plan, in der Schweiz Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen, weiß bislang bloß noch niemand. Auch darüber, dass er todkrank ist, hat Holm vorerst nur mit seiner Ex-Frau und Ärztin Ella gesprochen. Bei einem letzten gemeinsamen Essen im Ferienhaus am See will er nun die wichtigsten Menschen in seinem Leben zusammenführen, reinen Tisch machen und sich verabschieden. Für immer. Doch Freunde und Familie akzeptieren seine Entscheidung keineswegs. Das Wiedersehen eskaliert und wird zu einer schonungslosen Abrechnung mit Holms Lebensführung: Alte Konflikte kochen hoch, neue Geständnisse vernichten lang Geglaubtes. Und schon bald muss der Ingenieur im Ruhestand, der sich in Afrika in der Entwicklungshilfe engagierte, erleben, wie seine vom Geist der 68er-Bewegung umwehte Überzeugung, im Leben sehr vieles richtig gemacht zu haben, ins Wanken gerät ... 

Magnus Vattrodt hätte sein emotionsgeladenes Kammerspiel auch „Das große Aufräumen“ nennen können: Nichts bleibt unausgesprochen, alles wird ausgepackt – bis auch der Letzte verletzt ist. Gekonnt entlarvt Vattrodt die Art Lebenslügen, die man vor allem sich selbst so gern erzählt, um der Angst vorm Sterben, vorm Scheitern und vorm Nichterreichen gesteckter Lebensziele irgendetwas entgegenzusetzen. Für die Filmvorlage zum Stück erhielt Vattrodt 2016 den Deutschen Fernsehpreis für das beste Drehbuch. Seine geistreichen, vor Zynismus und Ironie strotzenden Dialoge streifen wie beiläufig die noch immer hochpolitische Diskussion rund ums Thema Sterbehilfe. Das alles macht „Ein großer Aufbruch“ zu einem höchst unterhaltsamen Plädoyer für das rechtzeitige Hinterfragen seiner Selbst und das Klären von Konflikten.