Heilbronner Stimme

„Eine Mords-Freundin“ im Theater Heilbronn ist gestartet: Was das neue Stück bietet

14. März 2026

Hat sich ein britisches Paar mit der US-amerikanischen

Urlaubsbekanntschaft eine Serienkillerin ins Haus geholt? Für die

Premiere von Steven Moffats schwarzer Komödie in der Regie von Gustav

Rueb gab es viel Beifall. Sabine Unger ist in ihrer letzten großen Rolle vor

dem Ruhestand zu sehen.

von Christoph Feil

Worüber ist man bereit hinwegzusehen, weil es sich dadurch bequemer leben

lässt? Dass eine Zufallsbekanntschaft zweifelhafte politische Ansichten vertritt?

Sich diese Person aufdrängt für eine einwöchige Visite? Gegen den Besuch

obendrein der Verdacht im Raum steht, eine mehrfache Mörderin zu sein?

Elsa Jean Krakowski heißt die taffe US-amerikanische Witwe, die den

Familienalltag der steifen Briten Debbie und Peter Lindel sowie derer beider Kinder

Alex und Rosie ziemlich aufmischt in Steven Moffats schwarzer Komödie „Eine

Mords-Freundin“. 2023 in London uraufgeführt, hatte das Schauspiel in der Regie

von Gustav Rueb am Freitagabend Premiere im Komödienhaus – und wurde vom

Publikum begeistert beklatscht.

„Eine Mords-Freundin“ ist eine Satire auf die britische Mittelschicht

Im von Florian Barth mit spießiger Blümchentapete ausgestatteten Heim der

Lindels schwelen gleich mehrere Konflikte: Peter untersagt Alex, im Wohnzimmer

zu furzen, wenn der sich mal von seinem Computer losreißt. Debbie muss ständig

die naseweise Rosie ermahnen, keine Gespräche zu belauschen, die sie nichts

angehen. Und dann wäre noch die ungelöste „Gartensituation“, also Differenzen

mit dem Nachbarn über eine bröckelnde Mauer.

Mitten hinein platzt nun Trump-Wählerin Elsa aus Denver, die Debbie und Peter auf

ihrer jüngsten Kreuzfahrt kennengelernt haben. Zu spät erst ist das Ehepaar im

Internet auf Medienberichte gestoßen, wonach die amüsante Elsa sechs

Menschen umgebracht haben soll, man ihr die Taten bislang jedoch nicht habe

nachweisen können. Entsprechend groß ist die Verzweiflung der Lindels. Wie mit

der Situation umgehen? „Dafür gibt es keine Etikette“, klagt Peter hilflos.

In der robusten Inszenierung von Gustav Rueb, der in Heilbronn bereits „Achtsam

morden“ und „Romulus der Große“ auf die Bühne gebracht hat, gerät „Eine Mords-

Freundin“ zur Satire auf eine britische Mittelschicht, der die eigenen Manieren zum

Verhängnis werden. Nur nebenbei streift das Debütstück von Autor Steven Moffat,

entstanden während US-Präsident Donald Trumps erster Amtszeit, auch den

Zusammenprall zweier verschiedener Kulturen

Der Charakter der Hauptfigur wird im Unklaren gelassen

Für beinahe kriminalistische Spannung sorgt, dass Elsas Charakter im Unklaren

gelassen wird. Ist sie wirklich eine Serienkillerin? Sind Peter und Debbie nicht

vielleicht einer skandalisierenden Presse und ihren eigenen Vorurteilen auf den

Leim gegangen? Zu diesem reizvollen Spiel mit Ambivalenzen nicht passen will

allerdings ein Humor, der abgleitet zu derben Fäkalwitzen. Wobei sich das zum

Lachen aufgelegte Premierenpublikum daran nicht stört, im Gegenteil.

Sabine Unger – in ihrer letzten großen Rolle vor dem Ruhestand – wechselt als

schrille Elsa zwischen zupackender Herzlichkeit und durchtriebener

Doppeldeutigkeit. Zunehmend hysterisch ist das Spiel von Nils Brück und Judith

Lilly Raab, die Peter und Debbie Lindel geben. Über die Karikatur von Teenagern

nicht hinaus kommen Felix Lydike und Sophie Maria Scherrieble: Alex ist

ausgestellt ahnungslos, Rosie betont dauerempört. Eine passiv-aggressive

Penetranz umgibt den Nachbar von Tobias Loth. Und Sven-Marcel Voss hat einen

Auftritt als gutmütiger Polizist PC Junkin.