Dafür tariert Gustav Rueb die bei Ulrike Syha angelegte Balance zwischen ernsthafter Gesellschaftsstudie und Farce-Elementen sorgfältig aus: Während Peter Lehmanns «Seekrug»-Terrasse eher auf einem osteuropäischen David-Lynch-Set stehen könnte (das auch im Soundtrack zitiert wird), führen leicht surreale Videosequenzen «die Frau, die eigentlich nicht hier sein sollte» durch aufgeräumte Gärten und stilbefreite Interieurs. Das Ensemble hat zwar jede Menge klimabedingten Sonnenbrand aufgetragen, unterspielt aber die potenziellen Provinz-Karikaturen souverän in ihren Doppelrollen in Film und Theater.
Read MoreRNZ
Wie Strandgut auf dem Meer treiben und wirbeln sie dahin, begegnen sich kurz und verlieren sich rasch wieder. Die Menschen in Ulrike Syhas Drama "Drift", das in der Inszenierung von Gustav Rueb zum Auftakt des Heidelberger Stückemarktes im randvollen Zwinger 1 uraufgeführt wurde, leben entwurzelt in einem winzigen Ort an der Küste. Dort ist nur eines sicher: Die Flut steigt unaufhörlich an.
Read MoreFrankfurter Rundschau
Tückisch ist, dass man das Abdriften nicht unbedingt schnell bemerkt, und das, obwohl sich die Drift nahe der Oberfläche befindet. Wäre sie sichtbar, könnte man sie also sehen, aber man sieht meistens nur, dass etwas in eine Richtung läuft, die nicht geplant war. Das muss nicht schlimm, kann jedoch katastrophal sein. In Ulrike Syhas Küstenstück „Drift“ geht es natürlich nicht allein um Meeresbewegungen, sondern um die Mitte der Gesellschaft, die abdriftet, während sie sich darüber beklagt, wie sich um sie herum alles verändert. Der Gedanke, dass das vor allem etwas mit ihr und ihrem Standpunkt zu tun haben könnte, kommt ihr nicht. Es graust ihr vor der Veränderung, während sie längst ohne Grund unter den Füßen und Ruder in den Händen im Lokal „Seekrug“ Kaffee mit Süßstoff trinkt.
Read MoreMannheimer Morgen
Dunkle Regenwolken hängen am Eröffnungsabend des 36. Heidelberger Stückemarkts über Heidelberg. Und das passt, denn leicht wiegen die Themen nicht, mit denen sich zeitgenössisches Theater im Jahr 2019 beschäftigen muss. Denn will es sich am Hier und Heute abarbeiten, dann sind Themen wie Autokratie, Machtmissbrauch oder zunehmende Individualisierung gefragt.
Read MoreNachtkritik
"Aber die Drift, die wird jeden Tag stärker. Es kommen schon die ersten Touristen." So beendet der Ausflugslokalskellner Johann (Olaf Weißenberg) den Abend, allein rauchend vor seinem "Seekrug". Wie am Anfang, bevor er für anderthalb Stunden unterbrochen wurde, von Gästen und anderen Ereignissen. Johanns Schlusspointe sitzt trotzdem: Das Kaff am Meer, in dem sich sein Lokal befindet, ist Provinz, die ihre letzten Reize selbst ruiniert hat. Die Touristen bleiben weg, weil die Kläranlage bis in ihre Ferienwohnungen stinkt. Aber die Erosion der Küste, also die existentielle Bedrohung des Grunds, auf dem das Kaff gebaut ist, rückt das Dorf wieder in die Nähe einer Aufmerksamkeit von außen, nämlich in die der Katastrophentouristen.
Read Moretheaterpur nrw
Dem Regisseur Gustav Rueb ist ein überzeugender Abend gelungen. Dank eines hervorragenden Ensembles und eines schlichten, aber gerade deshalb beeindruckenden Bühnenbildes – ein langer Tisch, einige Stühle - Assoziationen zum Letzten Abendmahl drängen sich auf – wird der Blick fokussiert auf das Beziehungsgeflecht zwischen den Anwesenden, oft ironisch und zynisch und deshalb witzig beleuchtet. Dennoch bleibt am Ende nicht ein schaler Nachgeschmack.
Read MoreRuhrnachrichten
Holm will sterben, wie er gelebt hat – selbstbestimmt. Der todkranke Entwicklungshelfer lädt die wichtigsten Menschen seines Lebens zu einem Abschiedsessen ein. Das verläuft allerdings nicht so, wie vom egoistischen Lebemann geplant, die Feier gerät zur Abrechnung. Eine emotionale Achterbahnfahrt, in der immer wieder komische Momente in tragische kippen, ist das von Gustav Rueb inszenierte Kammerspiel „Ein großer Aufbruch“ von Magnus Vattrodt, das am Samstag bei der Premiere im Essener Grillo-Theater mit lang anhaltendem Applaus gefeiert wurde.
Read Moreliteraturundfeuilleton
Vor dem Sterben kommt alles anders
Nach einem cineastischen Frankenstein und einem etwas überfordernden Parsifal bringt der Zürcher Regisseur Gustav Rueb sein drittes Stück am Schauspiel Essen auf die Bühne: Ein großer Aufbruch nach dem gleichnamigen Fernsehfilm von Magnus Vattrodt. Dieser Theaterabend gerät zu einer emotionalen Auseinandersetzung mit den Themen Sterben und Sterbehilfe – aber vor allem zu einem klischeefreien Plädoyer für geklärte zwischenmenschliche Verhältnisse.
Read MoreWAZ
Tragisches Thema, aber Magnus Vattrodt schlägt komische bis kritische Funken draus: „Ein großer Aufbruch“ am Essener Grillo
Der vorgezogene Leichenschmaus beginnt als Dinner: Champagner vorweg, Rotwein zum Reh, danach ein Sorbet. Dazwischen wollte Holm seinen großen Plan verraten, doch bevor der erste Korken knallt, ist es schon raus: Holm hat Krebs, Holm wird sterben. Holm weiß sogar das genaue Datum, denn er will sich in der Schweiz beim Sterben helfen lassen. Was nun in Gustav Ruebs Inszenierung von „Ein großer Aufbruch“ am Essener Grillo-Theater losbricht, ist ein Sturm der Entrüstung und der unliebsamen Offenbarungen. Aus dem vermeintlich letzten gemeinsamen Abendmahl wird ein rhetorisches Schlachtfest.
Read MoreKasseler Stadtmagazin
Gustav Rueb hat aus dem 270-Seiten-Konvolut die Bühnenfassung erstellt. Eine intelligente Umsetzung, die vieles weglässt und dadurch verdichtet, die weniger aktuelle Politische-Fragen und Islamophobie fokussiert, sondern das Dilemma des westlichen Wohlstandsbürgers vorführt: keine Mitte mehr, kein Glauben. Verführbar sind wir alle geworden. „Unterwerfung“ ist das Stück der Stunde, landauf, landab wird es gespielt. Kassel macht es gut.
Read MoreErica Hänssler (1947-2016)
Ihr Schloss steht am Dichterstrand dicht an der Sihl. Dort lebte sie Seite an Seite mit Joachim Ringelnatz, mit Morgenstern, Kästner, Karl Valentin und auch mit Wilhelm Busch. Wer Erica Hänssler sah, alterslos bis zum Schluss, wer mit ihr sprach, traf auf ein Wesen, das sich selber geträumt zu haben schien.
Read MoreWiesbadener Zeitung
Erst im vergangenen Oktober hatte sein ebenfalls in Zürich geborener Landsmann Gustav Rueb in Darmstadt gezeigt, wie man den Blödsinn in „Klotz am Bein“ umstandslos forsch angeht – vielleicht die beste Arbeit der Saison am Staatstheater, denn da wurde die Kunst des Klamauks gefeiert.
Read MoreSaarbrücker Zeitung
Was danach kommt an diesem samstäglichen Premierenabend des Staatstheaters ist ein kleines Wunder: Fast zwei kurzweilige Stunden folgt man gefesselt dem „Wunder um Verdun“.
Read MoreHNA
Kassel. Gleich von vier Schauspielern wird Houellebecqs Romanheld Francois in Kassel auf der Bühne dargestellt.
Landauf, landab kommt die Bühnenfassung von Michelle Houellebecqs Roman-Dystopie „Unterwerfung“ an die Theater. Nun ist sie (endlich) in Kassel zu sehen, und zwar in der bemerkenswerten Inszenierung von Gustav Rueb. Am Freitag feierte sie im Tif eine umjubelte Premiere.
Read MoreNeue Kasseler Zeitung
Was passiert, wenn die links- und rechtsdemokratischen Parteien zur Verhinderung der Machtübernahme der Rechtspopulisten sich auf einen Moslembruder als Regierungschef verständigen? Im Theater gibt es keine Stühle mehr – jedenfalls nicht für die Männer.
Read MoreDarmstädter Echo
Gustav Rueb hat für seine Darmstädter Inszenierung von „Ein Klotz am Bein“ den Text aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert neu und frisch übersetzt, und mit dem flüssigen Rhythmus der Sprache hat er die Grundlage gelegt für seine flotte Regie, die den Witz von Figuren und Situationen sehr unterhaltsam herauskitzelt. Nach der Premiere am Samstag im Kleinen Haus des Staatstheaters gab es dafür begeisterten Beifall.
Read MoreFrankfurter Rundschau
Fürs Darmstädter Staatstheater hat Gustav Rueb „Ein Klotz am Bein“ (1894) von Feydeau jetzt sowohl frisch übersetzt, als auch im Kleinen Haus inszeniert. Und so wie er bei der Übersetzung nicht übereifrig neumodisch ist, so nehmen er und Dorothee Joisten, Kostüme, auch die zeitliche Festlegung locker, irgendwo zwischen vorletzter Jahrhundertwende und Turnschuh-Lässigkeit. Aber es gibt, um des Witzes willen, schon Tischstaubsauger.
Read MoreDie Deutsche Bühne
Gleich mehrfach eindrucksvoll war "Die Orestie" in der Darmstädter Fassung des Regisseurs Gustav Rueb.
Read MoreFAZ
Die Stille tut weh. Das Nichtstun ist ein Ärgernis. Nach knapp drei Stunden, in denen im Kleinen Haus des Staatstheaters Darmstadt reichlich Kunstblut geflossen und im Minutentakt gemordet worden ist, geht das Saallicht an, und das Theater leistet sich einen sehr seltenen Moment: Es passiert absolut nichts. Wir sollten, so verkündet Samuel Koch als Göttin Athene, nun als Bürger darüber abstimmen, wie das jahrzehntelange Schlachten in der Atridenfamilie beendet und zugleich den Racheansprüchen der Erinnyen Genüge getan werden könne. Doch natürlich geschieht nichts, Beklommenheit macht sich breit, die Schauspieler starren ins Publikum, die Zuschauer starren zurück, die Minuten dehnen sich zur Ewigkeit.
Read Moreegotrip.de
Die „Orestie“ des antiken Tragödienschreibers Aischylos ist den meisten Lesern nur als Abfolge blutiger Familienmorde bekannt. Agamemnon opfert seine Tochter Iphigenie für besseren Wind nach Troja und wird dafür nach seiner Rückkehr von seiner Frau Klytemnestra und deren Geliebten Aigisth ermordet. Daraufhin schwören die Kinder Elektra und Orest, angefeuert von Apoll und den Erynnien, Rache, und Orest tötet seine eigene Mutter und ihren Geliebten. Die Göttin Athene jedoch gebietet weiteren, von den Erynnien vehement geforderten Racheaktionen Einhalt und übergibt den Fall des Orest einem Athener, das heißt menschlichem Gericht, das Orest schließlich freispricht. Dieses eher prosaische Ende eines wuchtigen Mythos‘ ist weit weniger bekannt als die blutrünstigen Passagen, nicht zuletzt deshalb, weil diese wesentlich spektakulärer sind. Mit ihm setzt nach einhelliger Meinung der Historiker und Philologen der Übergang von einer rein mythischen zu einer rationalen, an der menschlichen Vernunft ausgerichteten Weltsicht ein.
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